Spielerschutz & Hilfe
Hilfe bei Spielsucht: Hotline, Beratung und Therapie

Bild: World Sikh Organization of Canada via Pexels
Wer erkennt, dass das eigene Spielverhalten außer Kontrolle gerät, steht oft vor der Frage: Wo fange ich an? Anders als bei vielen körperlichen Erkrankungen gibt es bei Glücksspielproblemen keinen einzelnen Ansprechpartner, sondern ein gestuftes Hilfesystem aus Telefonberatung, örtlichen Suchtberatungsstellen, Selbsthilfegruppen und Therapieangeboten.
Dieser Ratgeber führt Schritt für Schritt durch die wichtigsten Anlaufstellen in Deutschland, nennt geprüfte Kontaktdaten und erklärt, welche Art von Hilfe zu welcher Situation passt, von der ersten anonymen Auskunft bis zur stationären Rehabilitation.
Der erste Schritt: kostenfreie Telefonberatung
Die zentrale, bundesweite Anlaufstelle ist die Telefonberatung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), das über das Portal check-dein-spiel.de informiert. Unter der Rufnummer 0800 1 37 27 00 erreichst du die Beratung montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Anruf ist aus dem deutschen Fest- und Mobilfunknetz kostenfrei, das Gespräch unterliegt dem Datenschutz und kann anonym geführt werden, ohne dass du deinen Namen nennen musst.
Die Beratung richtet sich nicht nur an Betroffene selbst, sondern ausdrücklich auch an Angehörige und andere interessierte Personen. Am Telefon bekommst du eine erste Einschätzung deiner Situation sowie Verweise auf passende Beratungsstellen in deiner Nähe.
| Angebot | Kontakt | Für wen |
|---|---|---|
| BIÖG-Telefonberatung | 0800 1 37 27 00, Mo-Do 10-22 Uhr, Fr-So 10-18 Uhr | Betroffene, Angehörige, Interessierte |
| check-dein-spiel.de | Online-Portal mit Selbsttest und Chatberatung | Betroffene, die online Informationen suchen |
| Örtliche Suchtberatungsstelle | Über Suchthilfeverzeichnis der DHS auffindbar | Persönliche, meist kostenfreie Beratung vor Ort |
| Selbsthilfegruppen | Über gluecksspielsucht.de oder örtliche Suchtberatung | Austausch mit Betroffenen in ähnlicher Lage |
Wer die Hilfe finanziert und trägt
In Deutschland ist Suchtberatung überwiegend kommunal oder über freie Träger der Wohlfahrtspflege organisiert und wird aus öffentlichen Mitteln sowie über die Spielbank- und Glücksspielabgaben mitfinanziert. Das bedeutet für dich: Die Erstberatung ist in aller Regel kostenfrei, unabhängig von deinem Einkommen oder Versicherungsstatus. Erst wenn eine weiterführende Therapie ansteht, etwa eine ambulante Psychotherapie oder eine stationäre Rehabilitation, kommen Krankenkasse oder Rentenversicherung als Kostenträger ins Spiel. Die Beratungsstelle unterstützt in der Regel auch bei der Antragstellung und der Auswahl eines passenden Kostenträgers.
Beratungsstellen vor Ort finden
Für ein persönliches Gespräch bieten sich örtliche Suchtberatungsstellen an, die es in praktisch jeder größeren Stadt und in vielen Landkreisen gibt. Über das bundesweite Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) lässt sich die nächstgelegene Stelle nach Postleitzahl suchen. Diese Beratungen sind in der Regel kostenfrei und können auf Wunsch auch ohne Angabe des vollen Namens genutzt werden. Neben der klassischen Suchtberatung bieten viele Stellen auch spezialisierte Sprechstunden für Glücksspielprobleme an, teils mit eigenen Fachkräften für diesen Bereich.
Hilfe direkt in Spielhalle und Spielbank
Auch am Ort des Geschehens gibt es Ansprechpartner: Spielhallen und Spielbanken sind gesetzlich verpflichtet, geschultes Personal für Spielerschutz vorzuhalten und auf Wunsch über Selbstsperre und Beratungsangebote zu informieren. Aushänge mit der Rufnummer der Telefonberatung und Hinweisen auf OASIS gehören inzwischen zur Standardausstattung. Wer sich unwohl fühlt, direkt vor Ort das Thema anzusprechen, kann die Informationen mitnehmen und in Ruhe zu Hause die Telefonberatung oder eine örtliche Beratungsstelle kontaktieren.
Selbsthilfegruppen: Austausch auf Augenhöhe
Neben professioneller Beratung setzen viele Betroffene auf Selbsthilfegruppen, in denen sich Menschen mit eigener Spielsucht-Erfahrung regelmäßig austauschen. Diese Gruppen ersetzen keine Therapie, ergänzen sie aber oft sinnvoll, gerade in der Phase nach einer Behandlung, wenn es darum geht, das Erlernte im Alltag zu festigen. Adressen von Selbsthilfegruppen vermitteln die örtlichen Suchtberatungsstellen sowie bundesweite Verzeichnisse wie das der Fachverbände Glücksspielsucht.
Therapiewege: ambulant oder stationär
Zeigt sich im Beratungsgespräch, dass eine Glücksspielstörung vorliegt, kommen unterschiedliche Behandlungsformen infrage. Ambulante Psychotherapie findet in der Regel wöchentlich bei einer niedergelassenen Praxis oder einer psychotherapeutischen Ambulanz statt und eignet sich, wenn der Alltag noch stabil genug ist, um parallel zur Behandlung weiterzulaufen. Bei stärker ausgeprägten Störungen, insbesondere wenn Beruf, Familie oder finanzielle Stabilität bereits stark belastet sind, kann eine stationäre Rehabilitation in einer Fachklinik sinnvoll sein. Die Kostenübernahme läuft je nach Konstellation über die Krankenkasse oder die Rentenversicherung als Rehabilitationsträger, die konkrete Zuständigkeit klärt die Beratungsstelle vor Ort im Einzelfall.
Finanzielle Folgen: Schuldnerberatung einbeziehen
Glücksspielprobleme gehen häufig mit finanziellen Schwierigkeiten einher, von offenen Rechnungen bis zu Krediten, die zur Finanzierung des Spielens aufgenommen wurden. Eine unabhängige Schuldnerberatung, die es ebenfalls kostenfrei in den meisten Landkreisen und kreisfreien Städten gibt, hilft dabei, einen Überblick über die finanzielle Situation zu bekommen und realistische Lösungswege wie Ratenvereinbarungen oder ein Insolvenzverfahren zu prüfen. Es lohnt sich, Suchtberatung und Schuldnerberatung parallel zu nutzen, da beide Themen eng miteinander verbunden sind. Einen Überblick über weitere Schutzmechanismen und Budgetplanung bietet außerdem der Spielerschutz-Hub unter /verantwortungsvoll-spielen/.
Online-Beratung als niedrigschwelliger Einstieg
Für viele Betroffene ist die Hürde, jemanden anzurufen oder eine Beratungsstelle persönlich aufzusuchen, zunächst hoch. Das Portal check-dein-spiel.de bietet deshalb neben Informationstexten auch eine Chat- beziehungsweise Online-Beratung an, über die du schriftlich und in deinem eigenen Tempo erste Fragen klären kannst. Dieser Weg eignet sich besonders, um sich zunächst anonym zu orientieren, bevor ein persönliches Gespräch folgt. Wichtig ist, dass Online-Beratung ein Einstieg sein kann, bei ausgeprägten Problemen aber in der Regel um eine persönliche Beratung oder Therapie ergänzt werden sollte.
Was in einem ersten Beratungsgespräch passiert
Ein erstes Gespräch, ob am Telefon oder vor Ort, dient in erster Linie der Einschätzung der Situation. Die Fachkraft fragt in der Regel nach der Art des Spielens, etwa Automaten, Sportwetten oder Online-Casino, nach der bisherigen Dauer des problematischen Verhaltens sowie nach bereits eingetretenen Folgen im Beruf, in der Familie oder finanziell. Aus diesem Gespräch ergibt sich meist eine Empfehlung für die nächsten Schritte: das kann eine Selbstsperre sein, eine weiterführende Beratung, eine ambulante Therapie oder in ausgeprägten Fällen eine stationäre Behandlung. Du musst dich zu nichts verpflichten, ein Erstgespräch ist unverbindlich und dient allein deiner eigenen Orientierung.
Viele Beratungsstellen bieten auch mehrere Termine zur Abklärung an, bevor gemeinsam entschieden wird, welcher Weg passt. Wartezeiten können je nach Region und Auslastung variieren, weshalb es sich lohnt, sich parallel bei mehreren Stellen zu informieren, etwa der örtlichen Suchtberatung und einer psychotherapeutischen Ambulanz.
Rückfälle gehören zum Prozess
Wie bei anderen Suchterkrankungen sind Rückfälle auf dem Weg zu einem kontrollierten Umgang mit Glücksspiel keine Seltenheit und kein Grund, die Beratung oder Therapie abzubrechen. Beratungsstellen sind darauf eingestellt und können helfen, einen Rückfall einzuordnen und die Strategie anzupassen, etwa durch eine engere Taktung der Gespräche oder eine zusätzliche Selbstsperre. Entscheidend ist, nach einem Rückfall den Kontakt zur Beratungsstelle nicht abzubrechen, sondern das Ereignis offen anzusprechen.
Praktische Schritte auf dem Weg zur Hilfe
- Rufe die kostenfreie BIÖG-Telefonberatung an, wenn du unsicher bist, wie ausgeprägt dein Spielverhalten ist.
- Suche über das DHS-Suchthilfeverzeichnis eine Beratungsstelle in deiner Nähe für ein persönliches Gespräch.
- Erwäge eine Selbstsperre über OASIS als sofortige, wirksame Hürde, siehe den Ratgeber zur Spielsperre.
- Ziehe bei finanziellen Problemen frühzeitig eine Schuldnerberatung hinzu, statt Schulden weiter anwachsen zu lassen.
- Beziehe wenn möglich eine nahestehende Person in den Prozess ein, das erhöht die Chance, dranzubleiben.
Häufige Fragen
Ist die Telefonberatung wirklich kostenlos?
Ja, Anrufe unter 0800 1 37 27 00 sind aus dem deutschen Festnetz und Mobilfunknetz kostenfrei.
Muss ich meinen Namen nennen, um Hilfe zu bekommen?
Nein, sowohl die Telefonberatung als auch viele örtliche Suchtberatungsstellen bieten die Möglichkeit einer anonymen Beratung ohne Angabe des vollen Namens.
Übernimmt die Krankenkasse eine Therapie?
Je nach Behandlungsform übernehmen Krankenkasse oder Rentenversicherung die Kosten. Die genaue Zuständigkeit klärt in der Regel die Beratungsstelle im Rahmen der Antragstellung.
Was tue ich, wenn ich wegen des Spielens Schulden habe?
Neben der Suchtberatung solltest du zusätzlich eine kostenfreie Schuldnerberatung in deiner Region aufsuchen, um die finanzielle Situation zu ordnen und Lösungswege zu besprechen.
Gibt es Hilfe auch für Angehörige?
Ja, die BIÖG-Telefonberatung und viele örtliche Suchtberatungsstellen richten sich ausdrücklich auch an Angehörige, mehr dazu im Ratgeber für Angehörige von Spielsüchtigen.
Wie schnell bekomme ich einen Beratungstermin?
Die kostenfreie Telefonberatung ist sofort erreichbar. Termine bei örtlichen Suchtberatungsstellen können je nach Region und Auslastung einige Tage bis wenige Wochen dauern, weshalb sich eine frühzeitige Kontaktaufnahme lohnt.